
Scheinschwangerschaft beim Hund – Wenn die Hormone das Kommando übernehmen
Eben war deine Hündin noch ihr fröhliches, ausgeglichenes Selbst – und plötzlich schleppt sie ihr Kuscheltier durch die Wohnung, verteidigt es wie ihren eigenen Nachwuchs und baut Nester aus Decken? Vielleicht frisst sie weniger, wirkt anhänglicher oder zieht sich zurück?
Keine Panik! Dein Hund ist nicht krank, sondern steckt mitten in einer Scheinschwangerschaft – oder genauer gesagt in einer Scheinmutterschaft. Denn nicht nur ihr Verhalten ändert sich, auch ihr Körper bereitet sich scheinbar auf Welpen vor: Die Milchleisten schwellen an, und oft beginnt sie sogar, Milch zu produzieren. Kuscheltiere oder andere Gegenstände werden dabei instinktiv wie echte Welpen behandelt. Dieser hormonelle Ausnahmezustand kann ziemlich herausfordernd sein – sowohl für deine Hündin als auch für dich. Doch keine Sorge: Mit dem richtigen Wissen und gezielter Unterstützung kannst du ihr helfen, diese Phase entspannt zu überstehen.
In diesem Artikel erfährst du alles über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer Scheinschwangerschaft – plus wertvolle Tipps und Hausmittel, die deiner Hündin wirklich helfen.
Scheinschwangerschaft beim Hund – ein uralter Instinkt
Die Scheinschwangerschaft (auch Scheinträchtigkeit genannt) ist kein Zufall, sondern ein Überbleibsel aus der Evolution. In freilebenden Rudeln konnte nicht jede Hündin eigene Welpen bekommen. Daher sorgte die Natur dafür, dass einige Hündinnen nach ihrer Läufigkeit ebenfalls „mütterlich“ wurden – so konnten sie verwaiste Welpen mit Milch versorgen und das Rudel stärken.
Dieser Instinkt steckt auch heute noch in unseren Haushunden. Daher kann es sein, dass deine Hündin sich plötzlich so verhält, als würde sie bald Welpen bekommen – selbst wenn sie niemals gedeckt wurde.
Wenn die Hormone verrücktspielen – Was im Körper passiert
Nach jeder Läufigkeit produziert der Körper deiner Hündin das Hormon Progesteron, das sie auf eine Trächtigkeit vorbereitet. Egal, ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht – der Körper glaubt, dass bald Welpen kommen.
Nach einigen Wochen sinkt der Progesteronspiegel wieder ab, während gleichzeitig das Hormon Prolaktin ansteigt. Und genau dieses Hormon ist der Auslöser für die typischen Anzeichen einer Scheinschwangerschaft: geschwollene Zitzen, Nestbau, Stimmungsschwankungen und manchmal sogar Milchbildung.
- Tipp: Nicht jede Hündin zeigt dieselben Symptome. Während manche nur leicht verändert wirken, sind andere völlig aus dem Häuschen – mit intensiven Muttergefühlen für Kuscheltiere oder sogar Aggressivität gegenüber Menschen und anderen Tieren.
Das sind die typischen Zeichen einer Scheinschwangerschaft
Eine Scheinschwangerschaft ist oft eine hormonelle Achterbahnfahrt, die manche Hündinnen nach der Läufigkeit durchmachen. Manche Vierbeiner gleiten entspannt durch diese Phase, während andere komplett aus dem Gleichgewicht geraten.
Doch woran genau erkennst du, dass deine Hündin scheinträchtig ist? Hier sind die häufigsten Anzeichen, die auf eine Scheinschwangerschaft hinweisen.
Typische Zeichen einer Scheinschwangerschaft

Körperliche Symptome – wenn der Körper sich auf Welpen einstellt
Während der Körper deiner Hündin sich darauf vorbereitet, eine Mutter zu sein (auch wenn keine Welpen in Sicht sind), kann es zu verschiedenen körperlichen Veränderungen kommen:
Geschwollene Zitzen: Die Milchleisten deiner Hündin wirken größer als sonst, die Haut ist gespannt, und manchmal tritt sogar Milch aus. Manche Hündinnen belecken ihre Zitzen verstärkt, was die Milchproduktion zusätzlich anregen kann.
Milchproduktion: Einige Hündinnen produzieren tatsächlich Muttermilch – ein Zeichen dafür, dass ihr Körper voll auf „Welpen-Modus“ geschaltet hat. Besonders bei intensiver Scheinschwangerschaft kann sich die Milchproduktion über mehrere Tage bis Wochen halten.
Gewichtsschwankungen: Durch Wassereinlagerungen oder einen veränderten Appetit kann deine Hündin plötzlich etwas runder oder aber auch schlanker wirken. Einige Hunde fressen in dieser Zeit weniger, während andere plötzlich größeren Hunger haben.
Empfindlicher Magen & Durchfall: Hormonelle Schwankungen können nicht nur die Stimmung, sondern auch das Verdauungssystem beeinflussen. Manche Hündinnen reagieren mit einem sensiblen Magen, leichtem Durchfall oder unregelmäßigen Verdauungsvorgängen.
Veränderte Körperhaltung: Manche Hündinnen wirken in dieser Phase steifer oder bewegen sich vorsichtiger, da die geschwollenen Milchleisten unangenehm sein können.
- Extra-Tipp: Falls deine Hündin beginnt, ihre Zitzen exzessiv zu lecken, kann das die Milchproduktion weiter ankurbeln. Ein leichter Hundebody kann helfen, das Lecken einzudämmen und die Beschwerden zu lindern.
Verhaltensveränderungen – wenn der Mutterinstinkt verrücktspielt
Nicht nur der Körper, auch das Verhalten deiner Hündin kann sich während einer Scheinschwangerschaft stark verändern. Manche Hunde wirken gelassener als sonst, während andere emotional komplett aus dem Gleichgewicht geraten.
Nestbau mit Leidenschaft: Plötzlich werden Decken, Kissen oder Handtücher gesammelt und in eine perfekte Kuhle gedrückt – denn dein Hund glaubt, dass die Welpen bald kommen. Dieses Verhalten ist oft harmlos, kann aber bei manchen Hündinnen in Stress umschlagen.
Die Kuscheltier-Mama: Dein Hund trägt Plüschtiere oder andere Gegenstände umher und behandelt sie, als wären es echte Welpen. Manche lecken sie ab, stupsen sie sanft mit der Nase an oder bewachen sie aufmerksam.
Extremer Beschützerinstinkt: Vorsicht – wenn dein Hund plötzlich knurrt oder sogar schnappt, wenn du sein „Nest“ oder sein Kuscheltier berührst, ist das eine hormonelle Reaktion. Versuche, diese Gegenstände nach und nach aus der Umgebung zu entfernen, um die Muttergefühle nicht noch weiter zu verstärken.
Anhänglich oder distanziert: Manche Hündinnen sind in dieser Phase besonders anhänglich, möchten ständig gestreichelt und umsorgt werden. Andere ziehen sich lieber zurück und verbringen mehr Zeit allein.
Stimmungsschwankungen: Heute super verschmust, morgen gereizt und ungeduldig – Hormone können deine Hündin in eine emotionale Achterbahn schicken.
Jaulen, Winseln oder Unruhe: Einige Hündinnen wirken rastlos, laufen nervös durch die Wohnung oder fiepen ohne erkennbaren Grund. Dieses Verhalten ist oft auf hormonellen Stress zurückzuführen.
- Tipp: Lange Spaziergänge und spielerische Aktivitäten helfen, überschüssige Energie abzubauen. Körperliche Bewegung lenkt deine Hündin ab und kann hormonellen Stress reduzieren.
Wie lange dauern die Symptome?
Die meisten Scheinschwangerschaften klingen nach zwei bis drei Wochen von selbst wieder ab.
Scheinschwangerschaft – Harmloser Hormonrausch oder Grund zur Sorge?

Die gute Nachricht zuerst: In den meisten Fällen ist eine Scheinschwangerschaft kein medizinisches Problem, sondern eine vorübergehende Phase, die von selbst wieder verschwindet. Die Hormone spielen verrückt, dein Hund verhält sich vielleicht ungewohnt, aber nach zwei bis drei Wochen ist alles wieder beim Alten.
Doch Vorsicht! In einigen Fällen kann eine Scheinschwangerschaft auch problematisch werden – dann solltest du nicht zögern, einen Tierarzt aufzusuchen.
Wann solltest du mit deiner Hündin zum Tierarzt?
Obwohl eine Scheinschwangerschaft in den meisten Fällen harmlos ist, gibt es Situationen, in denen ein Tierarztbesuch ratsam ist. Zumal auch die Möglichkeit bestehen könnte, dass deine Hündin in einem unbemerkten Moment gedeckt wurde, sollte eine tatsächliche Trächtigkeit ausgeschlossen werden, um Klarheit zu schaffen.
Wenn deine Hündin folgende Symptome zeigt, solltest du besser auf Nummer sicher gehen:
Dauerhafte Milchproduktion & geschwollene Zitzen: Wenn deine Hündin über längere Zeit Milch produziert, kann das zu einer schmerzhaften Entzündung der Milchdrüsen (Mastitis) führen. Diese äußert sich durch verhärtete, warme oder gerötete Zitzen, manchmal sogar mit Fieber oder allgemeiner Mattigkeit.
Stark verhärtete oder entzündete Milchleisten: Ein leichter Milchfluss ist während einer Scheinschwangerschaft normal, aber wenn sich die Zitzen verhärten oder schmerzhaft werden, solltest du handeln und zum Tierarzt gehen.
Ungewöhnlicher Scheidenausfluss: Falls deine Hündin neben der Scheinschwangerschaft veränderten oder übelriechenden Ausfluss zeigt, könnte eine ernsthaftere Erkrankung dahinterstecken, etwa eine Gebärmutterentzündung (Pyometra).
Starker Stress oder Aggressivität: Manche Hündinnen geraten durch die hormonelle Veränderung derart unter Stress, dass sie extrem unruhig, ängstlich oder aggressiv werden. Falls dein Hund nicht zur Ruhe kommt oder andere Tiere (oder dich) plötzlich verteidigt, kann eine tierärztliche Beratung sinnvoll sein.
- Tipp: Falls deine Hündin regelmäßig unter starken Symptomen leidet oder sich nach jeder Läufigkeit in den „Muttermodus“ steigert, kann eine Kastration eine langfristige Lösung sein. So wird der Hormonhaushalt dauerhaft stabilisiert, und Scheinschwangerschaften gehören der Vergangenheit an.
So unterstützt du deine Hündin sanft und effektiv

Mit der richtigen Unterstützung kannst du dafür sorgen, dass sie diese Phase entspannt übersteht. Hier sind die besten Maßnahmen, um ihren Körper und Geist sanft zu begleiten.
Ruhe bewahren und für Ablenkung sorgen
Gerade jetzt braucht deine Hündin eine entspannte Atmosphäre. Je ruhiger du bleibst, desto weniger steigert sie sich in ihre „Mutterrolle“ hinein.
Bleib gelassen & gewöhne dir kein Mitleidsverhalten an. Je normaler du mit der Situation umgehst, desto weniger fühlt sich deine Hündin in ihrer Scheinträchtigkeit bestätigt.
Bewegung hilft! Plane lange Spaziergänge & sanfte Bewegungseinheiten, um überschüssige Energie abzubauen. Ein ruhiger Waldspaziergang oder kleine Suchspiele lenken deine Hündin ab und helfen ihr, sich mental zu entspannen.
Tipp: Intelligenzspiele oder Nasenarbeit sind ideal, um den Fokus auf etwas anderes als die vermeintlichen „Welpen“ zu lenken.
Kuscheltiere und „Welpenersatz“ entfernen
Viele Hündinnen beginnen in dieser Phase, Kuscheltiere oder andere Gegenstände als „Welpen“ zu behandeln. Sie schleppen sie herum, beschützen sie und lecken sie ab – das verstärkt den Mutterinstinkt noch mehr.
Falls deine Hündin sehr stark an bestimmten Gegenständen hängt, versuche, diese langsam aus ihrer Reichweite zu entfernen.
Mach das am besten sanft und schrittweise, um keinen zusätzlichen Stress zu erzeugen.
Tipp: Manche Hündinnen brauchen ein paar Tage, um sich von ihrem Kuscheltier zu „entwöhnen“. Sei geduldig – und biete stattdessen spannende Beschäftigungsmöglichkeiten an.
Übermäßiges Belecken der Zitzen verhindern
Wenn deine Hündin ihre Zitzen ständig leckt, kann das die Milchproduktion weiter anregen – und das verlängert die Scheinschwangerschaft unnötig.
Falls sie sich stark auf ihre Milchleisten konzentriert, kann eine leichte Hundejacke oder ein Body helfen, das Belecken zu reduzieren.
Sanftes Ablenken durch Bewegung oder Streicheleinheiten kann ebenfalls wirken.
Wichtig! Niemals die Zitzen massieren oder ausstreichen – das stimuliert die Milchproduktion nur noch mehr!
Hausmittel gezielt einsetzen
Manche natürlichen Helfer können deiner Hündin dabei helfen, die Scheinschwangerschaft angenehmer zu überstehen. Ein weiches Tuch mit lauwarmem Kamillentee zu befeuchten und vorsichtig auf geschwollene Zitzen zu tupfen, kann helfen, Spannungen zu lindern. Falls deine Hündin jedoch sehr starke Symptome zeigt oder über einen längeren Zeitraum Milch produziert, solltest du mit deinem Tierarzt über weitere Unterstützungsmöglichkeiten sprechen.

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Warum manche Hündinnen immer wieder scheinträchtig werden
Während manche Hündinnen kaum von ihrer Scheinschwangerschaft mitbekommen, geht es anderen nach jeder Läufigkeit wieder genauso: geschwollene Zitzen, Nestbau und emotionale Schwankungen. Warum ist das so?
Die Antwort liegt in der individuellen Hormonregulation deines Hundes. Manche Hündinnen neigen von Natur aus stärker zu Scheinschwangerschaften als andere – und das kann verschiedene Gründe haben.
Drei Faktoren, die eine wiederkehrende Scheinschwangerschaft begünstigen
✔ Genetische Veranlagung: Manche Hunderassen sind einfach anfälliger für Scheinschwangerschaften. Besonders bei kleinen Hunderassen oder sehr ursprünglichen Hunden wie Terriern oder Dackeln kann die Hormonregulation intensiver ausfallen.
✔ Alter & Reifeprozess: Junge Hündinnen erleben die stärksten Symptome – einfach, weil ihr Hormonhaushalt sich noch einpendeln muss. Mit zunehmendem Alter reguliert sich das oft von selbst. Manche Hündinnen entwickeln jedoch bis ins hohe Alter nach jeder Läufigkeit eine ausgeprägte Scheinschwangerschaft.
✔ Hormonelle Empfindlichkeit: Jede Hündin reagiert unterschiedlich auf Hormonschwankungen. Während einige die Umstellung fast gar nicht merken, löst sie bei anderen extreme Verhaltens- und Körperveränderungen aus.
Tipp: Falls deine Hündin nach jeder Läufigkeit stark unter ihrer Scheinschwangerschaft leidet, solltest du mit deinem Tierarzt über langfristige Lösungen sprechen.
Eine Kastration kann helfen, die hormonellen Schwankungen dauerhaft zu verhindern – besonders bei Hündinnen, die regelmäßig unter starken Symptomen leiden oder sich immer wieder extrem in den „Muttermodus“ hineinsteigern.
Fazit: Eine hormonelle Welle, die vorbeigeht – mit deiner Unterstützung
Die Scheinschwangerschaft ist zwar keine Krankheit, aber sie kann für deine Hündin – und für dich als Hundehalter – eine echte Herausforderung sein. Wenn dein Vierbeiner plötzlich Kuscheltiere bemuttert, unruhig wirkt oder mit Stimmungsschwankungen kämpft, kann das belastend sein. Doch das Wichtigste ist: Bleib gelassen!
Diese Phase ist ein natürlicher Prozess, der in zwei bis drei Wochen wieder abklingt. Dein Hund braucht in dieser Zeit vor allem Ruhe, Geduld und sanfte Unterstützung.
Falls deine Hündin nach jeder Läufigkeit intensiv scheinträchtig wird und stark leidet, solltest du mit deinem Tierarzt über eine langfristige Lösung sprechen – eine Kastration kann die Symptome dauerhaft verhindern.
Quellen
Sandra Goericke-Pesch. Reproduktion bei Hund und Katze: Praxisleitfaden
Wolfgang Baumgartner. Klinische Propädeutik der Haus- und Heimtiere
Peter F. Suter & Barbara Kohn. Praktikum der Hundeklinik
Hartwig Bostedt. Tierärztliche Geburtskunde
A. Thangamani & M. K. Srinivas. Canine Pseudopregnancy: A Review (Journal of Veterinary Science & Technology)
A. J. Root Kustritz et al. Canine Pseudopregnancy (Journal of Small Animal Practice)
Axel Wehrend. Gynäkologie bei Hund und Katze: Von der Physiologie zur Therapie
Häufige Fragen zur Scheinschwangerschaft beim Hund
Eine Scheinschwangerschaft dauert in der Regel zwei bis drei Wochen, manchmal auch etwas länger. Danach klingen die Symptome meist von selbst ab.
Typischerweise beginnt eine Scheinschwangerschaft vier bis neun Wochen nach der Läufigkeit, wenn der Hormonspiegel absinkt.
Ablenkung durch Bewegung und das Entfernen von „Welpenersatz“ (z. B. Kuscheltiere) helfen, die Symptome schneller abklingen zu lassen.
Falls deine Hündin nach jeder Läufigkeit stark leidet, kann eine Kastration eine langfristige Lösung sein. Sie verhindert die hormonellen Schwankungen, die eine Scheinschwangerschaft auslösen.
Das Hormon Prolaktin kann in einer Scheinschwangerschaft die Milchproduktion anregen – selbst wenn keine Welpen da sind. Falls die Milchbildung anhält oder die Zitzen stark geschwollen sind, solltest du einen Tierarzt aufsuchen.